Weißwein: fünf wichtige Rebsorten in Deutschland

Riesling, Müller-Thurgau und Silvaner werden am häufigsten angebaut

Trauben der Rebsorte Riesling - Miala
Trauben der Rebsorte Riesling - Miala
Riesling, Müller-Thurgau, Silvaner, Kerner und Bacchus - das sind die fünf wichtigsten Rebsorten in Deutschland, aus denen Weißwein gewonnen wird.

Deutschland gilt traditionell als Weißweinland – schließlich stammt eine der berühmtesten Weißwein-Rebsorten der Welt aus hiesigen Landen: der Riesling. Ein weiterer, weniger glorreicher Grund mag darin liegen, dass die berühmten Rotwein-Reben wie Cabernet Sauvignon und Syrah in Deutschland einfach nicht gut gedeihen. Wie dem auch sei: Nach wie vor werden in Deutschland weitaus mehr weiße Weintrauben angebaut als rote oder blaue. Dem Statistischen Bundesamt zufolge waren im Jahr 2008 mehr als 65.000 Hektar mit Weißwein-Rebsorten bestockt, aber nur gut 37.000 Hektar mit Rotwein-Rebsorten.

Die fünf wichtigsten Weißwein-Rebsorten sind Weißer Riesling, Müller-Thurgau, Grüner Silvaner, Kerner und Bacchus.

Die Rebsorte Weißer Riesling – der Inbegriff des deutschen Weins

Wohl keine Rebsorte wird so sehr mit dem deutschen Weinbau identifiziert wie der Riesling. „Die Geschichte des Riesling ist die Geschichte des deutschen Weins“, schrieb der britische Weinexperte Ian Jamieson in den 90er Jahren. Damit spielte er auch auf die Wechselhaftigkeit seiner Geschichte an: Wie der deutsche Wein insgesamt war auch der Riesling zwischenzeitlich wenig beliebt. Andere Rebsorten hatten ihm den Rang abgelaufen. Inzwischen aber wird keine Rebsorte in Deutschland häufiger angebaut. 22.434 Hektar waren im Jahr 2008 mit Riesling bepflanzt.

Seine Hauptanbaugebiete sind an der Mosel und am Rhein zu finden. Aber auch im benachbarten Ausland, im Elsass, in Österreich und der Schweiz werden Riesling-Reben angebaut. Die Rebsorte Riesling ist prädestiniert für den Anbau in Mitteleuropa, weil sie ein kühleres Klima benötigt als die meisten anderen Sorten.

Riesling-Weine werden oft als frisch, spritzig und dennoch komplex beschrieben, geschmacklich finden sich Anklänge an Äpfel und Zitrusfrüchte. Allerdings werden Riesling-Trauben auch zu edlen süßen Weinen verarbeitet – die ganze Bandbreite vom Qualitätswein bis zur Trockenbeerenauslese wird abgedeckt.

Die Rebsorte ist gelegentlich auch unter anderen Namen zu finden, darunter Klingelberger, Rheinriesling oder Rhiesling renanco bianco (in Italien).

Die Rebsorte Müller-Thurgau – die eher ungeliebte Nummer 2

Die Rebsorte Müller-Thurgau nimmt in Deutschland 13.721 Hektar Anbaufläche ein und ist damit die am zweithäufigsten angebaute Sorte. Trotzdem hat ihre Popularität stark gelitten. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts war Müller-Thurgau die verbreitetste Rebsorte in Deutschland, und noch 1999 waren mehr als 20.000 Hektar mit der Rebe bestockt.

Die Rebe ist eine Neuzüchtung des aus dem Schweizer Kanton Thurgau stammenden Weinforschers Hermann Müller und erblickte im Jahr 1882 das Licht der Weinwelt. Sie stammt vom Riesling und einer anderen Rebe ab, über deren Identität nach wie vor Zweifel bestehen.

Die Müller-Thurgau-Rebe hat einige Vorzüge: Sie stellt keine hohen Ansprüche an Boden und Klima und produziert relativ große Mengen milden, süffigen Weins. Allerdings stand Müller-Thurgau nie in dem Ruf, auch besonders gute Weine zu produzieren. Das mag zum Teil daran liegen, dass der Autorin Dagmar Ehrlich zufolge nach wie vor ein Großteil des Ertrags „in Deutschlands Export-Hit, der pappig-süßen Liebfraumilch“ endet.

In jedem Fall haben einige Winzer ihre Konsequenzen aus dem Imageproblem der Rebe gezogen: Sie vermarkten Müller-Thurgau lieber als „Rivaner“.

Die Rebsorte Silvaner – große Tradition, bescheidene Gegenwart

Die Rebsorte Silvaner (auch Grüner Silvaner genannt) war bis in die 60er Jahre hinein Deutschlands dominierende Rebsorte. Dann liefen andere Sorten, vor allem die Neuzüchtung Müller-Thurgau der Silvaner-Rebe den Rang ab. Im Jahr 2008 wurden in Deutschland noch 5.236 Hektar mit Silvaner bestockt.

Dabei bringt Silvaner eigentlich alle Voraussetzungen für eine Renaissance mit: Sie hat eine lange Geschichte, wurde wohl schon im ersten Jahrhundert nach Christus erstmals beschrieben und gelangte im 17. Jahrhundert nach Deutschland. Und sie steht im Ruf, erstklassige Weine produzieren zu können. Wichtigste Anbaugebiete sind heute Rheinhessen, die Pfalz und Franken.

Die Rebsorte Kerner – Kreuzung aus Riesling und Trollinger

Noch im Jahr 1999 waren fast 7.000 Hektar mit der Rebsorte Kerner bepflanzt, im Jahr 2008 waren es nur noch 3.712 Hektar. Kerner ist eine Neuzüchtung aus dem 20. Jahrhundert und entstand durch die Kreuzung der roten Rebsorte Trollinger mit Riesling. Sie gilt als anspruchslos, die aus ihr gewonnenen Weine ähneln geschmacklich dem Riesling. Daneben eignet sich die Kerner-Trauben auch gut zur Herstellung von Schillerwein.

Die Rebsorte Bacchus – Neuzüchtung aus Silvaner, Riesling und Müller-Thurgau

Wie die Sorte Kerner ist Bacchus eine Neuzüchtung des 20. Jahrhunderts. Sie entstand nach Angaben des Bundessortenamtes aus einer Kreuzung von Müller-Thurgau mit Silvaner und Riesling. Ian Jamieson bezeichnete die Rebe in den 90er Jahren noch als „höchst erfolgreich“, seither hat ihre Bedeutung aber abgenommen. Im Jahr 2008 wurde Bacchus noch auf 2.015 Hektar in Deutschland angebaut. Die Rebsorte reift relativ früh und produziert Weine, die als aromatisch und fruchtig gelten.

Holger Handstein, Holger Handstein

Holger Handstein - Holger ist in Oberhessen aufgewachsen und im Ruhrgebiet erwachsen geworden. Während seines Studiums der Journalistik und Germanistik ...

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